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Prozesse im CRM: Standard oder Sonderweg

Prozesse im CRM abbilden: wann ein Standardobjekt reicht, wann sich ein eigener Weg lohnt und mit welchen drei Fragen du die Entscheidung auflöst.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Ein eigener Weg im CRM lohnt sich nur, wenn ein Geschäftsobjekt einen eigenen Lebenszyklus mit eigenen Phasen hat, den kein Standardobjekt abbildet.
  • Beschreibt die Abweichung nur eine zusätzliche Angabe zu etwas, das es schon gibt, ist sie ein Feld und kein eigenes Objekt.
  • Einen Sonderweg bezahlst du einmal und zahlst ihn dauerhaft ab. Jede Auswertung, jede Automatisierung und jede Einarbeitung muss ihn danach mitdenken.
  • Bei figure it sank der Administrationsaufwand im Vertrieb um 30 Prozent, bei zwei Tagen Zeiteinsatz.
  • Ein Standard-Setup braucht kein Halbjahresprojekt: Nestermind erreichte doppelte Pipeline-Sichtbarkeit in unter einem Monat.

Warum „bei uns ist das anders“ der teuerste Satz im CRM-Projekt ist

Der Satz fällt in fast jedem Workshop, und er beendet die Diskussion, statt sie zu eröffnen. Was er kostet, merkst du erst Monate später. Das Projekt hat eine Gewohnheit abgebildet statt eines Geschäfts, und niemand kann mehr sagen, warum. Wer die Abweichung nicht in dem Moment prüft, in dem sie entsteht, prüft sie nie.

Unsere These: Eine Abweichung vom Standard braucht einen Beleg im Geschäft, nicht im Gefühl. Die Beweislast liegt beim Sonderweg, nicht beim Standard. Das ist keine Ideologie, sondern eine Kostenrechnung, und sie fällt fast immer gleich aus.

Technisch kann eine Abweichung an drei Stellen landen. Entweder wird daraus ein zusätzliches Feld an einem bestehenden Objekt (eine Property). Oder eine eigene Phasenfolge für Deals (eine zweite Pipeline). Oder ein eigenes Geschäftsobjekt mit eigenem Lebenszyklus (ein Custom Object). Im Workshop sehen die drei ähnlich harmlos aus. Im Betrieb kosten sie völlig Verschiedenes.

Der Grund ist einfach. HubSpot kann fast jede Abweichung abbilden, das ist kein Kunststück und auch kein Argument. Die Frage ist nicht, ob das System es kann. Die Frage ist, was es danach jedes Mal kostet, wenn jemand eine Auswertung baut, einen Workflow ergänzt oder eine neue Kollegin einarbeitet.

Drei Fragen, die die Entscheidung auflösen

In der Modellierungssitzung fehlt meistens nicht das Wissen, sondern eine Regel. Dann entscheidet der Lauteste oder der Berater, und beide begründen es im Nachhinein. Drei Fragen lösen den Normalfall in wenigen Minuten auf.

Erstens: Trägt das Standardobjekt den Lebenszyklus? Durchläuft die Sache, um die es geht, eigene Phasen mit eigenen Übergängen? Ein Angebot, das entsteht, verhandelt und gewonnen wird, ist ein Deal. Ein Standort, der zu einem Kunden gehört, durchläuft gar keine Phasen. Er ist eine Eigenschaft dieses Kunden. Lautet die Antwort „keine eigenen Phasen“, ist die Entscheidung hier zu Ende.

Zweitens: Braucht die Auswertung eine eigene Zeitachse? Will später jemand zählen, wie viele davon es pro Monat gab, wie lange sie gedauert haben und wie viele erfolgreich waren? Dann braucht die Sache einen eigenen Datensatz mit eigenem Anfangs- und Enddatum. Wird sie dagegen nur als Merkmal berichtet, reicht ein Feld. Diese Frage wird am häufigsten falsch beantwortet, weil sie im Workshop noch niemand stellt.

Drittens: Existiert die Abweichung im Geschäft oder in der Gewohnheit? Die Prüfung dafür ist unangenehm und dauert eine Minute. Frag, welcher Kunde, welcher Vertrag oder welche Regulierung die Abweichung erzwingt. Kommt eine Antwort mit einem Namen darin, ist sie echt. Kommt „das haben wir immer so gemacht“ oder „das war im alten System so“, ist sie eine Gewohnheit, die gerade teuer werden will.

Unsere These: Zwei Nein, und die Sache ist ein Feld. Drei Ja, und sie ist ein eigenes Objekt. Alles dazwischen ist eine zweite Pipeline, und die ist in der Praxis der häufigste richtige Fall.

Entscheidungsablauf mit drei Fragen: trägt das Standardobjekt den Lebenszyklus, braucht die Auswertung eine eigene Zeitachse, existiert die Abweichung im Geschäft? Dreimal Ja führt zu einem eigenen Objekt im CRM

Die Leiter: Feld, eigene Pipeline, eigenes Objekt

Im Zweifel greifen Teams zur aufwendigsten Lösung, weil niemand die billigere nennt. Heraus kommt eine Datenstruktur, die mehr kann als nötig und weniger leistet als erhofft. Bezahlt wird sie in Reporting-Zeit und Einarbeitung. Die drei Stufen unterscheiden sich nicht im Aufwand beim Aufsetzen, sondern in der Last danach.

Wische nach links oder rechts, um alle Spalten zu sehen.

StufeWann sie reichtFolgelast im BetriebQuelle
Zusätzliches Feld (Property)Die Abweichung ist eine Angabe zu etwas, das es schon gibt, und hat keine eigenen Phasen.Gering. Reporting und Automatisierung sehen das Feld ohne Zusatzarbeit.SalesPlaybook, Implementierungspraxis
Eigene PipelineDieselbe Sache durchläuft andere Phasen als der Normalfall, bleibt aber ein Deal.Mittel. Jede Auswertung muss die Pipeline benennen, sonst zählt sie falsch.SalesPlaybook, Implementierungspraxis
Eigenes Objekt (Custom Object)Eigener Lebenszyklus, eigene Zeitachse, oft auch eigene Berechtigungsgrenze.Hoch. Reporting, Automatisierung, Rechte und Einarbeitung müssen es dauerhaft mitführen.SalesPlaybook, Implementierungspraxis
Wirkung eines schlanken SetupsStandard, wo er trägt.30 Prozent weniger Administrationsaufwand im Vertrieb bei zwei Tagen Zeiteinsatz.Case Study figure it
Zeit bis zur SichtbarkeitStandard, wo er trägt.Doppelte Pipeline-Sichtbarkeit, Zeitrahmen unter einem Monat.Case Study Nestermind

Fang unten an und steig nur auf, wenn die Stufe darunter nachweislich nicht trägt. Diese Reihenfolge ist der eigentliche Inhalt der Regel. Es geht nicht um die Stufen selbst, sondern um die Richtung, in der du sie durchgehst.

Was der Sonderweg im Betrieb kostet

Die Kosten einer Abweichung stehen in keinem Angebot, weil sie im Projekt gar nicht anfallen. Sichtbar werden sie erst danach, als Zeit, die im Vertrieb für Verwaltung draufgeht statt für Gespräche. Genau diese Last ist die Währung, in der du einen Sonderweg bezahlst.

Die Last entsteht an vier Stellen. Jede Auswertung muss die Abweichung kennen, sonst zählt sie daran vorbei. Jede Automatisierung braucht eine zusätzliche Bedingung. Jede neue Kollegin muss lernen, warum es hier anders ist. Und jede Rechteregel muss den Sonderfall mitdenken. Keine dieser vier Stellen ist für sich teuer. Zusammen sind sie der Grund, warum ein CRM nach zwei Jahren als schwerfällig gilt.

30 %

weniger Administrationsaufwand im Vertrieb bei zwei Tagen Zeiteinsatz

Quelle: Case Study figure it

Unsere These: Diese Zahl ist kein Werkzeugeffekt. Dahinter steht, dass Abläufe dort, wo der Standard trägt, auch im Standard abgebildet werden. Deshalb muss der Vertrieb nicht jeden Datensatz von Hand nachpflegen.

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Wann der Sonderweg richtig ist

Wer den Standard zum Dogma macht, bildet echte Unterschiede im Geschäft nicht ab und schafft dasselbe Problem von der anderen Seite. Dann weicht der Vertrieb dem System aus: in Tabellen, in Notizen, in Köpfen. Es gibt zwei Muster, in denen ein eigenes Objekt eindeutig die richtige Antwort ist.

Das erste ist der eigene Lebenszyklus. Denk an einen Mietgegenstand, ein Zertifikat, einen Projektabschnitt oder eine Anlage beim Kunden. So etwas entsteht, ändert sich, läuft ab und wird erneuert. Das passiert unabhängig davon, ob gerade ein Deal offen ist. Führst du so etwas als Feld an einem Unternehmen, zerstörst du die Historie in dem Moment, in dem sich der Wert ändert.

Das zweite ist die eigene Berechtigungsgrenze. Dürfen bestimmte Datensätze nur von einem Teil des Teams gesehen werden, und lässt sich diese Grenze nicht über die Zugehörigkeit zu einem Unternehmen ziehen? Dann braucht es die eigene Ebene. In diesem Fall ist ein eigenes Objekt nicht nur bequemer, sondern notwendig.

In beiden Fällen hält die Entscheidung auch in zwei Jahren noch, weil sie sich an etwas festmacht, das im Geschäft existiert, und nicht an einer Gewohnheit aus dem Vorgängersystem. Alles andere gehört auf die unterste Stufe der Leiter.

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Wie schnell ein Standard-Setup tragen kann

Viele Entscheider schieben die Modellierungsfrage vor sich her, weil sie ein Halbjahresprojekt dahinter vermuten. In der Zwischenzeit entstehen jede Woche Sonderwege, die später niemand mehr zurückbaut. Die Annahme stimmt aber nicht, und das lässt sich belegen.

Bei Nestermind stand die doppelte Sichtbarkeit in der Pipeline in einem Zeitrahmen unter einem Monat, zusammen mit kürzeren Verkaufszyklen. Bei figure it waren es 30 Prozent weniger Administrationsaufwand bei zwei Tagen Zeiteinsatz. Beide Ergebnisse stammen aus Standard-Setups, nicht aus ausmodellierten Sonderkonstruktionen.

Unsere These: Der Standardweg ist nicht der Kompromiss. Er ist der schnellere Weg zu der Sichtbarkeit, für die das CRM überhaupt eingeführt wurde. Der Sonderweg ist eine Investition, die du bewusst tätigst und begründen können musst.

Wenn du tiefer in die Systemgrenze einsteigen willst: Die Abgrenzung zwischen CRM und ERP findest du in CRM und ERP: welche Daten wohin gehören. Wie gross ein solches Projekt insgesamt wird, steht in CRM-Implementierung: der Umfang, den niemand aufschreibt. Wie wir HubSpot-Setups aufbauen, zeigt unsere HubSpot-Seite.

SalesPlaybook ist HubSpot Diamond Solutions Partner mit 39+ 5-Sterne-Bewertungen im HubSpot Solutions Directory. Bei dieser Abwägung nehmen wir im Zweifel den Standard. Bei aumico stand das CRM dadurch in weniger als 2 Wochen, bei 80 % weniger Zeitaufwand für Angebote.

Der Standard ist die Voreinstellung, nicht das Dogma

Die Frage ist nie, ob HubSpot eine Abweichung abbilden kann. Es kann fast jede. Die Frage ist, ob der Unterschied im Geschäft existiert oder nur in der Gewohnheit. Für dich heisst das: Stell die drei Fragen in der Modellierungssitzung. Dann entscheidest du in zehn Minuten, was sonst zwei Jahre lang jede Auswertung belastet.

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Autor:innen Erik Plischke

Häufig gestellte Fragen

Wann braucht ein Prozess im CRM ein eigenes Objekt?
Nur wenn drei Dinge zusammenkommen: Die Sache hat einen eigenen Lebenszyklus mit eigenen Phasen, sie braucht in der Auswertung eine eigene Zeitachse, und ein Kunde, ein Vertrag oder eine Regulierung erzwingt die Abweichung. Eine Gewohnheit aus dem Vorgängersystem reicht als Grund nicht.
Was kostet ein Sonderweg im CRM wirklich?
Der Sonderweg kostet nicht im Projekt, sondern im Betrieb. Jede Auswertung muss ihn kennen, jede Automatisierung braucht eine zusätzliche Bedingung, jede Einarbeitung eine Erklärung und jede Rechteregel eine Ausnahme. Zusammen machen diese vier Stellen ein CRM nach zwei Jahren schwerfällig.
Reicht ein zusätzliches Feld oder braucht es eine eigene Pipeline?
Ein zusätzliches Feld reicht, solange die Abweichung nur eine Angabe zu etwas ist, das es schon gibt. Durchläuft dieselbe Sache andere Phasen als der Normalfall und bleibt trotzdem ein Deal, ist eine eigene Pipeline die richtige und deutlich günstigere Stufe.
Wie lange dauert ein tragfähiges HubSpot-Setup?
Deutlich kürzer als oft angenommen. Nestermind erreichte doppelte Pipeline-Sichtbarkeit und kürzere Verkaufszyklen in einem Zeitrahmen unter einem Monat. Bei figure it sank der Administrationsaufwand im Vertrieb um 30 Prozent bei zwei Tagen Zeiteinsatz. Beides stammt aus Standard-Setups, nicht aus Sonderkonstruktionen.

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